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Die Gründung
Es war eine schwere Zeit, als im Sommer 1924 Kraftfahrzeugmeister Herrmann Fündgens sen. die Gründung eines Motorsportclubs in die Wege leitete. Die Menschen in Deutschland und dem übrigen Europa litten unter den Schäden und Auswirkungen des ersten Weltkrieges, ebenso wie die deutsche Automobilindustrie. Vor allem die Inflation hielt Deutschland und auch den Kreis Schwelm im Würgegriff. Die Jahre zuvor forcierte Rüstung legte den zivilen Fortschritt und das wirtschaftliche Wachstum vollständig lahm, das Automobil war nicht mehr der Schrittmacher seiner Zeit. Längst hatte die amerikanische Automobilindustrie jene der Deutschen überflügelt. Reparationen prägten die Zeit mehr als Investitionen. Betriebe starben, die eigene Industrie lag brach, lediglich ausländische Produkte, insbesondere deren Fahrzeuge fanden durch das „Loch im Westen“ zu uns.

Diese Zeit war für die Betroffenen alles andere, als einfach. Und auch alles andere, als ein guter Nährboden für einen jungen Club, der sich ausschließlich der Mobilität widmete. Doch der Beschwerlichkeit zu trotze setzte Hermann Fündgens sen. im August 1925 im Hotel „Zu Haufe“ die Idee einer gemeinschaftlichen Vereinigung unter dem Banner des Kraftfahrzeuges um und ließ den „Motor-Sport-Club“ des Kreises Schwelm eintragen. Zwar sollte die Inflation zu der Zeit nur langsam abklingen, doch trotz dieser fanden sich zur Gründung des Clubs über 30 Mitglieder ein. Ein Zeugnis der Einstellung und des positiven Willens der Bevölkerung nach der damalig schweren Zeit.

Ein Auto, dass war zu derzeit Luxus, der Krieg hatte den Menschen weit mehr als das genommen. Motorräder waren die Fortbewegungsmittel der Clubmitglieder der ersten Stunde. Meist waren dies eben jene ausländische, in das „Loch im Westen“ eingeführte Produkte oder gar Maschinen, die Jahre zuvor noch an der Front ihren Dienst verrichteten. Die Mitglieder des Schwelmer „Motor-Sport-Club“ hatten weit sinnvolleres mit ihnen im Sinn und so startete man Clubfahrten in das Sauer- oder auch Bergische Land. Diese Touren glichen eher Pionierserkundungen. Schlechte Strassen, rustikale Technik – es war nicht nur ein Kampf gegen die Kilometer sondern auch um das Ankommen. Heißgelaufene Motoren, verstopfte Vergaser, Reifenschäden – und dennoch, kein Clubmitglied wurde auf der Strecke gelassen und alle feierten und betranken die erfolgreichen Fahrten Abends im Vereinslokal.
Das Bild auf den deutschen Strassen und so auch jenes des „Motor-Sport-Clubs“ wandelte sich, die anziehende Wirtschaft brachte den Clubmitgliedern neue Maschinen, und damit wiederum neue Herausforderungen, wie die „24-Stunden-Fahrt des ADAC Westfalen-Lippe“ über eine Rundstrecke von sage und schreibe 770 Kilometer.

Eine weitere Club-Leidenschaft galt dem Hohensyburgrennen. Hier dran nahm der Club nicht nur, wie in Person von Ewald Brakels, aktiv Teil sondern sorgte auch hinter den Kulissen bei Sicherung und Absperrung der Dreiecksstrecke für einen ordnungsgemäßen Ablauf der Veranstaltung bei Wittbräucke. Der Einsatz und die Hilfsbereitschaft für das Automobil und den Motorsport waren eine frühe Prägung für die Zukunft des Clubs.

Während die Piloten des „Motor-Sport-Clubs“ beim Altenauer- und Herzer Bergrennen für Erfolge sorgten, veranstaltete man selber Zuverlässigkeitsfahrten durch das ganze Land. Nach Eisenach, Königsberg oder Berlin. Keine Herausforderung, der man sich nicht stellte und in der man nicht die Zuverlässigkeit von Mensch und Maschine unter beweis stellte. Jedes Jahr im Sommer setzte die Westfalen-Lippefahrt mit einem imposanten Fahrzeugschauspiel einen Höhepunkt.

Das eigen veranstaltete Rennen um den „Wanderpreis der Stadt Schwelm“ zeugt von einer ganz anderen Zeit des Motorsports und bürokratischer Freiheit. Wie immer rundeten Schulungsabende, Lichtbildvorträge, verkehrstechnische Hinweise über Touristik im In- und Ausland das Clubleben auch im Stammlokal umfassend ab.

Der Club und die Rennstrecke in der Eifel
Mit größtem Interesse vernahmen die Mitglieder des „Motor-Sport-Club“ des Kreises Schwelm die Nachricht über den Bau einer „Prüf- und Rennstrecke“ Mitten im Herzen der Eifel bei Adenau. Im Juni 1927 jubelten fast alle Clubmitglieder geschlossen dem ersten Sieger auf dem „Nürburg-Ring“, Rudolf Caracciola, zu. Wie stark der Nürburgring die weitere Geschichte des Clubs und die Clubmitglieder die Geschichte des Nürburgrings mit prägen würden, konnte zu dieser Zeit wohl bestenfalls erahnt werden.

Die innigere Beziehung zum Ring entstand mit der Westfälischen ADAC Grenzlandfahrt, deren Höhepunkt 10 bis 20 Runden auf dem großen Nürburgring bildeten.

Jedoch wehte ab 1933 politisch ein anderer Wind, der sich auch auf alle anderen Bereiche des Alltäglichen- und des Clubleben niederzuschlagen droht. Sicher, die Arbeitslosigkeit hatte ein Ende gefunden, die Wirtschaft boomte, dennoch für den Club sah es sehr schlecht aus. Auf Reichsebene hat die Gleichstellung und damit der Kampf des NS-Regimes gegen den ADAC begonnen. Alles sollte gleichgeschaltet werden, so auch der Motorsport. Der ADAC wurde als Gesamtclub aufgelöst und die Neugründung des DDAC (Der Deutsche Automobil Club) war in Vorbereitung. Es war Abzusehen, dass eine neue NS-Formation bald die üppige Clubkasse plündern würde. So wurde diese gemeinschaftlich vom Gründungsvorstand mit den Mitgliedern des Clubs vorsorglich regelrecht verprasst und aufgeteilt.

Der Club geriet durch die Inner- und Außerpolitischen Unruhen in den Hintergrund, doch der harte Kern und das Innenleben blieb intakt und so jubelte man den Silberpfeilen ungehemmt bei ihren Siegeszügen auf der Avus und dem Nürburgring zu. Ehe der Krieg auch jene letzte Freude nahm und vielen noch weit mehr, als nur den Motorsport…

Neuanfang nach dem Krieg
Nach Ende des Krieges gab es nach Anordnung der Besatzungsmacht auch keinen Motorsport Club mehr. Es sollte auch Jahrzehnte dauern, bis die Welt halbwegs aus dem schweren Nachkriegskoma erwachte. Der Besatzungsmacht und der schlimmen Zeit wiedereinmal zu Trotze fanden erneut nach und nach die alten Kameraden und Freunde, die dem Kriegsgeschehen entrinnen konnten, zusammen. Beklagten die vergangene Zeit und frönten aber vor allem voller Zuversicht von einer neuen Zukunft.

Diese Begann im August 1949 mit der Gründung der neuen Ortsgruppe des ADAC unter dem Namen „Automobil Club Altkreis Schwelm“, kurz ACAS. Bis heute hat sich am Namen des Clubs, dem sich wieder zahlreiche altbekannte Mitglieder anschlossen, nichts geändert. Der Club reagierte auf seine geänderte Umwelt. Die fortschreitenden Verkehrsprobleme: einer der Brennpunkte, bei dem der Club auch im öffentlichen Verkehrswesen sich engagierte und der Verkehrswacht aushalf. Der Club vertrat nun mehr nicht nur die Belange der motorisierten Fraktion, sondern jene aller Verkehrsteilnehmer.

Das Clubleben blühte gleichsam wieder auf. Die Nikolausfeier, aus der das heutige traditionelle Grünkohlessen resultiert zeugte ebenso davon, wie die wieder erweckten Zuverlässigkeitsfahrten, Bildersuchfahten und Filmvorträge. Höhepunkt allerdings blieb die nun mit Genehmigung der „Obersten Nationalen Sportbehörde“ (ONS) ausgetragene Westfälische „ADAC Grenzlandfahrt“ über 1.500 Kilometer auf demNürburgring.

Der ACAS damals und heute
Seit dieser Zeit ist wahrlich viel passiert. Der Erbe der Grenzlandfahrt hört heute auf den Namen „ACAS H&R Cup“ und ist seit 1976 Bestandteil der VLN Langstreckenmeisterschaft Nürburgring. Als Veranstalter der Gleichmäßigkeits Prüfung wahrt man auch weiterhin die Verbindung zum Motorsporteinstieg und dem Nürburgring. Leider hatten nicht alle Veranstaltungen und Motorsporthöhepunkte des ACAS die Chance im Wandel der Zeit, Gesellschaft und Politik zu überleben. So musste man den „Slalom für Jedermann“ aus Genehmigungsgründen und damit verbundenen finanziellen Aufwändungen gestrichen werden. Dafür erfreut sich die in jüngerer Vergangenheit geschaffene und nun schon in zehnjähriger Tradition stehende Oldtimer Rallye stets wachsender Beliebtheit.

„Heute ist unser Automobil Club ein Verein der Helfer“, schließt Vorstandsvorsitzender Hans-Jürgen Hilgeland einen Rückblick auf die Historie des ACAS adäquat ab. Als Ausrichter und Helfer bei zahlreichen Veranstaltungen vom Breitensport bis hin zur Formel 1 kann man es trefflicher nicht formulieren. Für die Vergangenheit, die Gegenwart und sicher auch die Zukunft.